Der Schulweg ist für Kinder weit mehr als nur der tägliche Weg zur Schule. Er ist ein Ort des Lernens, der Selbstständigkeit – aber auch ein Raum, in dem Gefahren lauern können.
Die Gemeinde Russikon setzt sich seit Jahren intensiv mit der Frage auseinander, wie dieser Weg möglichst sicher gestaltet werden kann. Mit der nun vorliegenden Road Safety Inspection (RSI) liegt erstmals eine gesamtheitliche, fachlich fundierte Beurteilung aller relevanten Schulwege vor.
Ganzheitlicher Blick statt Einzelmassnahmen
Ausgangspunkt der Untersuchung war die Erkenntnis, dass zwar einzelne Gefahrenstellen bereits durch Fachstellen wie die Beratungsstelle für Unfallverhütung oder das kantonale Tiefbauamt analysiert wurden, jedoch eine übergeordnete Gesamtsicht fehlte. Zudem hätten sich die Rahmenbedingungen durch die Einführung von Tempo-30-Zonen im Siedlungsgebiet verändert – mit grundsätzlich positiven Effekten für die Schulwegsicherheit.
Im Auftrag der Gemeinde wurden deshalb die Schulwege zu den Schulanlagen Russikon (Primar- und Sekundarstufe) sowie Madetswil (Primarstufe) nach dem nationalen Standard SN 641 723 überprüft. Die Inspektionen fanden zu Fuss, bei Tageslicht, in der Dämmerung und unter unterschiedlichen Wetterbedingungen statt. So konnten sowohl objektive Sicherheitsdefizite als auch subjektive Unsicherheiten erfasst werden.
Unterschiede je nach Ortsteil
Die Analyse zeigt: Die Schulwegsituation unterscheidet sich stark zwischen den Ortsteilen. In Rumlikon etwa ist die Längsverbindung nach Russikon grundsätzlich sicher, da sie nur schwach befahren ist. Herausforderungen ergeben sich hier gemäss Bericht vor allem im Winter durch Glätte, Wasseransammlungen oder fehlende Beleuchtung.
Kritischer beurteilt werden hingegen Abschnitte der Russikerstrasse, wo Kinder ab der 5. Klasse mit dem Velo unterwegs sind, jedoch keine durchgehende Veloinfrastruktur vorhanden ist.
Auch Elterntaxis ein Problem
Im Dorf Russikon konzentrieren sich die Risiken auf stark frequentierte Querungen im Zentrum. Besonders im Umfeld der Schulanlagen treffen hoher Verkehrsfluss, Busverkehr und sogenannte «Elterntaxis» aufeinander. Hier können eingeschränkte Sichtverhältnisse, fehlende Halteverbotslinien oder ungünstige Beleuchtung die Sicherheit beeinträchtigen – vor allem für jüngere Kinder.
Punktuelle Schwachstellen
Auch in Madetswil sind die Schulwege überwiegend sicher, weisen jedoch punktuelle Schwachstellen auf: Engstellen, Querungen ohne Mittelschutzinseln oder eingeschränkte Sicht durch Bepflanzungen.
Diese Situationen erfordern klare Empfehlungen zur Wegführung und eine gute Information der Eltern, so das Fazit.
Online-Befragung bei Eltern
Ergänzend zur fachlichen Analyse wurden die Eltern einbezogen. An der Online-Befragung beteiligten sich 262 Personen.
Rund 80 Prozent der Eltern in Russikon Dorf, Rumlikon und Madetswil beurteilen die Schulwege als grundsätzlich sicher. In den übrigen Ortsteilen fällt diese Einschätzung deutlich zurückhaltender aus.
Besonders häufig genannt wurden zu hohe Geschwindigkeiten, unsichere Querungen, fehlende Beleuchtung sowie problematische Situationen durch Elterntaxis.
Viele Eltern wünschen sich mehr Tempo-30-Zonen, bauliche Massnahmen wie Mittelinseln oder Einengungen sowie verstärkte Kontrollen und klare Drop-off-Regelungen.
Konkrete Massnahmen und klarer Schulwegplan
Der Bericht bleibt nicht bei der Problembeschreibung stehen. Für jede identifizierte Schwachstelle wurden konkrete Massnahmen vorgeschlagen – von kurzfristigen organisatorischen Lösungen bis hin zu mittelfristigen baulichen Anpassungen.
Dazu zählen unter anderem bessere Markierungen, Anpassungen der Beleuchtung, Sensibilisierungskampagnen, punktuelle Verkehrskontrollen und die Prüfung weiterer Temporeduktionen.
Auch Eltern in der Pflicht
Ein zentrales Ergebnis ist der neue Schulwegplan, der empfohlene Fuss- und Velorouten, sichere Querungsstellen sowie Bereiche mit erhöhten Anforderungen übersichtlich darstellt. Er diene Eltern und Kindern als Orientierungshilfe, ersetze jedoch nicht die Verantwortung der Erziehungsberechtigten, den Schulweg individuell zu beurteilen.
Sicherheit als gemeinschaftliche Aufgabe
Die Road Safety Inspection macht deutlich: Schulwegsicherheit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Gemeinde, Schule, Kanton und Eltern tragen gemeinsam Verantwortung.
Mit der vorliegenden Analyse verfügt Russikon nun über eine solide Grundlage, um gezielt zu handeln und die Schulwege Schritt für Schritt noch sicherer zu machen – damit Kinder ihren Schulweg selbstständig, sicher und mit einem guten Gefühl zurücklegen können.