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14.01.2026

Zoo Zürich sucht neuen Volierenbauer

So soll die Pantanal-Voliere im Zoo Zürich einmal aussehen.
So soll die Pantanal-Voliere im Zoo Zürich einmal aussehen. Bild: Keystone/ZOO ZUERICH/REGION FIVE MEDIA
Die Verhandlungen zu den Stahlbauarbeiten an der neuen Pantanal-Voliere im Zoo Zürich sind gescheitert. Der Zoo und die beteiligte Firma konnten unter anderem keine Lösung für die Weiterverwendung der bereits vorproduzierten Stahlbogen-Teile finden. Nun sucht der Zoo ein neues Unternehmen.

Vergabegespräche laufen zurzeit noch, wie der Zoo Zürich am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte. Erst wenn ein neues Unternehmen gefunden und der Terminplan mit der geänderten Ausgangslage aktualisiert worden sei, lasse sich ein neues Eröffnungsdatum der Pantanal-Voliere abschätzen.

Ursprünglich war die Eröffnung der neuen Voliere für 2025 geplant, nach Verzögerungen aufgrund eines Rekurses von Anwohnerinnen und Anwohner wurde sie auf 2028 verschoben.

Die Anlage, die das südamerikanische Feuchtgebiet Pantanal nachbildet, entsteht auf einer Fläche von 11’000 Quadratmetern. Zehn Stahlbögen sollen ein 1400 Tonnen schweres Gitternetz tragen und bis zu 35 Meter hoch ragen. Dort sollen unter anderem gefährdete Tierarten wie Ameisenbär, Hyazinthara, Flachlandtapir und Sonnensittich leben.

Zoo beendete Zusammenarbeit

Doch Anfang Dezember vergangenen Jahres teilte der Zoo mit, dass der Bau der Voliere länger dauern werde, als geplant. Der Zoo beendete die Zusammenarbeit mit der beteiligten Stahlbaufirma, weil die Firma die gewünschten Anforderungen sowohl technisch als auch terminlich und finanziell nicht erreiche.

Die Stahlbaufirma argumentierte hingegen, dass das Bauprojekt in der Umsetzung eine um ein Vielfaches höhere geometrische und systemische Komplexität aufweise, als in der Ausschreibung und im Leistungsverzeichnis beschrieben wurde. Im Projektverlauf entwickelte sich das Bauwerk laut der Firma in zentralen Aspekten weit über den ursprünglich definierten Rahmen hinaus.

Wie weiter mit den Stahlbogen-Teilen?

Im Anschluss fanden "mehrere Wochen dauernde Verhandlungen" zwischen den beiden Parteien statt, wie der Zoo in einer Stellungnahme schreibt, die Keystone-SDA vorliegt. Bei den Verhandlungen ging es vor allem um die Auflösung des Werkvertrags und um die Frage, wie die bereits produzierten Stahlbogen-Teile weiterverwendet werden können.

Eine Lösung aber liess sich nicht finden. Die Verhandlungen mussten endgültig beendet werden, wie der Zoo nun mitteilt. "Wir wollten im Rahmen einer Gesamtlösung erreichen, dass die bereits produzierten, aber nicht herausgegebenen Stahlbogen-Teile weiterverwendet werden können", wird Zoodirektor Severin Dressen in der Stellungnahme zitiert.

Stahl-Teile müssen eingeschmolzen werden

Diese Bemühungen scheiterten laut dem Zoo jedoch insbesondere an unterschiedlichen finanziellen Vorstellungen über die Abgeltung dieser vorproduzierten Bogen-Teile, für die der Zoo laut eigenen Angaben bereits Vorauszahlungen an das Unternehmen leistete.

Der Zoo bezeichnet das Resultat der Verhandlungen als "unverständlich". Der Zoo habe das finanzielle Angebot "mehrmals markant erhöht", um eine Lösung zu finden.

"Die Weigerung der Stahlbaufirma, die Bogenträger herauszugeben, führt dazu, dass die produzierten Stahl-Teile eingeschmolzen und von einer neuen Stahlbaufirma erneut produziert werden müssen", so Dressen.

Firma kritisiert Zoo

In einer Keystone-SDA vorliegenden Stellungnahme kritisiert die Stahlbaufirma den Zoo massiv: "Der Zoo hat das Projekt selbst an die Wand gefahren." Das spendenfinanzierte Grossprojekt laufe aus dem Ruder, weil ein "offensichtlich überforderter Ingenieur" geschützt werde.

Das Projekt werde neu vergeben ohne gesicherte technische Machbarkeit und mit absehbarer Ressourcenvernichtung und Zeitverzögerung, schreibt das Unternehmen. Zudem widerspreche sich der Zoo "fundamental", in dem er die Leistungen der Firma diskreditiere, die Bögen aber gleichzeitig einbauen wolle.

In provisorischer Nachlassstundung

Die Stahlbaufirma befindet sich in Zwischenzeit in provisorischer Nachlassstundung, wie Ende Dezember bekannt wurde. Das Bezirksgericht Bülach gewährte diese bis April.

Der Zoo weist Vorwürfe jedoch zurück, den Abbruch der Verhandlungen oder einen möglichen Konkurs der Stahlbaufirma verursacht zu haben. Die abgerufenen Bankgarantien könnten nicht der Grund für den Konkurs eines Unternehmen dieser Grösse sein, hält der Zoo fest. Solche Garantien seien ein üblicher Teil von Werkverträgen und dienten der Absicherung bereits geleisteter Vorauszahlungen.

Die Stahlbaufirma betont, sie kämpfe bis zum Schluss um den Fortbestand des Unternehmens, auch um den Erhalt der Arbeitsplätze. Es werde eine Nachfolgegesellschaft vorbereitet.

Keystone-SDA
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